Optisches Modden von A bis Z – Vom Kauf zum fertigen Blaster

Am Anfang steht der Blaster. Und damit verbunden eine Idee. Wofür soll der Blaster dienen? Warum soll er optisch modifiziert werden?

Manche Leute verändern die Optik ihrer Blaster einfach zum Spaß oder weil ihnen das Originalfarbschema zu langweilig ist. Viele haben aber ganz genaue Vorstellungen. Der Blaster soll in vielen Fällen zu einem Kostüm passen (Larp/Cosplay) und einen gewissen Stil rüberbringen. Da es in Deutschland deutlich mehr Personen gibt, die ihren Blaster für Larp Veranstaltungen anpassen als Personen, die ihren Blaster einfach zum Spaß umlackieren, werden wir hier den Schwerpunkt auf Endzeit-Blaster für den Larpgebrauch legen. Nichts desto trotz unterscheiden sich die verwendeten Techniken nicht, egal welches Ziel am Ende steht.

Zurück also zur Frage, wozu soll der Blaster später verwendet werden? Die zu beachtenden Faktoren könnten sein: Optik, Funktionsweise, Lautstärke, Größe, Preis, Munitionsmenge, Feuerrate, etc.

Ich möchte jetzt wie bereits genannt auf den Einsatz im Larp abzielen. Genauer gesagt Endzeit-Larp.

Außerdem möchte ich einen Blaster modifizieren, der nicht allzu teuer ist, damit ich mehrere Anschauungsmodelle habe und nicht zu groß, damit der Transport und der Materialaufwand nicht zu riesig wird. Weil ich persönlich Blaster bevorzuge, die nicht mehr Hände zum Laden brauchen als zum feuern und es passende Angebote im Einzelhandel in meiner Gegend gab, lege ich den Schwerpunkt hier auf die Nerf Rebell Sweet Revange/Five by five und die Nerf Zombie Strike Doublestrike. Außerdem sind diese beiden Blaster genau wie die Nerf Zombie Strike Hammershot relativ leicht zu öffnen und deshalb für meine Zwecke hier sehr gut geeignet.

Doubleshots 002 (Large)  Doubleshots 004 (Large)

 

Jetzt weiß ich, welchen Blaster ich modden möchte und welches Ziel ich habe. Als nächstes könnte Inspiration interessant sein. (Natürlich kann Inspiration auch der erste Schritt sein, wenn man noch nicht so viel Erfahrung mit Blastern oder keine Übersicht der verfügbaren Modelle hat.)

Empfehlenswert sind nach meiner Erfahrung:

„Blastername“ + „Paintjob“ bei Google Bildersuche eingeben

„Blastername“ + „Mod“ bei Google Bildersuche eingeben

„Blastername“ + „Mod“ bei Youtube suchen

„Blastername“ bei Deviant Art suchen

„Blastername“ bei Blasted.de Suchfunktion eingeben

Beispiel

Nach bzw. bei der Inspiration steht die Frage: Lasse ich die Blaster Shell (also den Korpus) so wie er ab Werk ist oder verändere ich ihn?

Ich habe mich jetzt entschieden in diesem Text primär auf das Bemalen von unbearbeiteten Blastern einzugehen und nur kurz auf das Umbauen von Blastern um den Rahmen nicht zu überstrapazieren.

Deshalb kommen die Umbau-Dinge jetzt Theoretisch.

Wenn ich mich entscheide, einen Blaster nicht in seiner Urform zu belassen, sondern etwas umzubauen gibt es einige Dinge, die man beachten sollte.

Öffnenbarkeit: Egal was man macht, es sollte stets das Ziel sein, den Blaster nach jeder Modifizierung noch aufschraubbar zu haben. Blaster sind Spielzeug das für gewöhnlich benutzt wird und wo Plastikspielzeug benutzt wird gehen Dinge kaputt. Ob jetzt nur irgendetwas verrutscht oder ein wichtiges Teil kaputt geht, in jedem Fall muss der Blaster für eine Reparatur geöffnet werden und grade bei einem aufwändigen Umbau, möchte man nicht riskieren den Blaster plötzlich nicht mehr nutzen zu können.

Haltbarkeit: Man sollte nicht an der Haltbarkeit des Mods sparen… nichts ist ärgerlich als ein cooles Projekt, dass nach kurzer Zeit kaputt geht weil man mit Heißkleber Pappe an den Blaster geklebt hat. Die Praktischsten Teile zum Anbauen sind meistens Stücke von anderen Blastern (grade auch in Sachen Öffnenbarkeit), fürs Modden hergestellte Teile z.B. aus dem 3D-Drucker oder grade bei realistischen Bauten Teile von anderen Spielzeug- oder Softair-Waffen.

Beispiele:

Meine Tek Recon Hammerhead

Die Green Mamba

Es gibt daneben natürlich quasi unendlich viele Dinge, die benutzt werden können oder auch zweckentfremdet werden, aber ich möchte hier einen kleinen Überblick von Materialien geben, die ich für das Modden für sehr hilfreich halte.

Sekundenkleber (der billige von Tedi) zum Verbinden von Plastikteilen

2-Komponenten-Epoxy-Knete zum stabilen Verbinden von Teilen, die nicht einfach flächig aufeinander geklebt werden können.

Plastikboard 1-5mm dick zum Schließen von Löchern und selbst bauen von Gehäuseteilen

Milliput oder Spachtelmasse zum Angleichen von Kanten und Schließen von Fugen/Löchern/Spalten

Styrodur als stabilen, aber leichten Kern für größere Neubauten (z.B. Schulterstützen) (Achtung Styrodur verträgt sich mit vielen Klebern und Farben nicht, sondern wird angelöst)

 

Ich persönlich gehe meistens so vor, dass ich verschiedene Gehäuseteile von außen mit kleinen Mengen Heißkleber aneinander positioniere, dann die Verbindung von innen stabil machen mit 2K-Epoxy-Knete, danach den Heißkleber außen wieder abpiddeln und von außen mit Milliput/Spachtelmasse oder aufgeklebten Dingen die Übergänge kaschieren und verschönern.

Unabhängig davon, ob der Blaster noch umgebaut wird/wurde oder ob das Gehäuse bleibt wie es ist, die Vorbereitung zum Lackieren ist ab hier gleich.

  1. Abschleifen
  2. Abspülen
  3. Entfetten
  4. Grundieren
  5. Lackieren
  6. Versiegeln

Abschleifen:

Einen Blaster sollte man vor dem Lackieren mindestens anrauen. Das verbessert die Haftung der Farbe auf dem Plastik und produziert langlebigere Ergebnisse. Ich gehe sogar noch deutlich weiter und Schleife meine Blaster vollständig ab. Ich versuche dabei vor allem Dinge los zu werden, die mich im Nachhinein stören. Das sind vor allem CE-Kennzeichen, Copyright Symbole, Warnhinweis, das Digital-Camo-Muster, Produktionsnummern und im Falle von Larp-Blastern auch die Firmen Logos. Ob man diese abschleift hängt viel mit der Verwendung ab. Die besten und schnellsten Ergebnisse in Sachen Abschleifen erziele ich persönlich mit einem Exzenter-Schleifer mit einer Körnung von 120 fürs grobe, und 180 – 400 für den Feinschliff. Bei manchen Blastern empfiehlt sich für verwinkelte Ecken ein Dremel, im Zweifelsfall geht aber auch alles von Hand.

Wenn man mit dem Abschleifen fertig ist, sollte man den Blaster zuerst einmal ordentlich abspülen.

Abspüle:

Ich nehme dazu einen handelsüblichen Küchenschwamm mit etwas Spüli.

Dabei ist darauf zu achten, dass der Blaster ordentlich von Schleifstaub befreit wird, da dieser später die Haftkraft von Farbe und Kleber mindern würde. Nach dem Abspülen und kurz vor dem Grundieren empfiehlt es sich die Oberflächen, die lackiert werden sollen, noch einmal zu entfetten.

Entfetten:

Zum Entfetten benutze ich Aceton. Einfach auf einen Lappen auftragen und den Blaster abreiben. Ab diesem Schritt empfehle ich die Verwendung von Latexhandschuhen. Wichtig bei dem Lappen ist, dass er selbst sauber ist und keine fusseln oder Flusen hinterlässt. Ich bevorzuge ausgemusterte T-Shirts. Wichtig ist, dass der entfettete Blaster staubfrei ist und nicht mehr mit der eigenen Haut in Berührung kommt, da diese ja fettet. Wenn der Blaster so vorbereitet ist, geht es an die Grundierung.

Grundierung:

Die Grundierung dient der Haftvermittlung und hat je nach verwendeter Marke noch nichts mit dem endgültigen Paintjob zu tun. Es gibt Grundierungen oder auch Haftgrund in verschiedenen Ausführungen, Farben und Preisklassen. Ein Klassiker sind die Sprühdosen von Games Workshop und ArmyPainter, die zwar definitiv keine schlechten Produkte sind, aber für Blaster aufgrund der großen Grundfläche auch nicht ganz billig. Grundsätzlich sind alle Grundierungen verwendbar, die für Plastik geeignet sind, also auch eine große Reihe an Universalgrundierungen. Ich bevorzuge allerdings den Plastik Primer aus der Montana Tech Primer Serie und werde im Folgenden darauf verzichten alle möglichen Alternativen aufzugreifen und mich weitestgehend auf die von mir verwendeten Montana Produkte beschränken. Der Montana Primer ist farblos und somit für jede Deckfarbe geeignet, bei anderen Produkten sollte man darauf achten nicht unbedingt schwarz zu grundieren, wenn der Blaster weiß oder hell gelb werden sollte etc.

Beim Grundieren geht es in erster Linie nicht darum, eine geschlossene, deckende Farbschicht aufzutragen, sondern nur darum einige Male über den Blaster zu nebeln um eine dünne Schicht Haftvermittlung auf dem Blaster zu verteilen. Hierzu reicht meistens deutlich weniger als man vermuten würde. Nach der Grundierung geht es weiter mit der eigentlichen Lackierung.

Lackierung:

Es gibt unzählige Techniken und Möglichkeiten einen Blaster zu lackieren. Da es unmöglich ist hier alles aufzuzählen, werde ich mich darauf beschränken eine begrenzte Zahl von Techniken vorzustellen und anzuschneiden, die ich für Standardlackierungen für interessant halte und auf deren Basis jeder in der Lage sein sollte, sich in die Richtung zu entwickeln, die einem vorschwebt.

Nach der Grundierung mit Haftgrund folgt bei mir für gewöhnlich die flächige Grundierung aller Teile mit der gewählten Grundfarbe. Je nachdem wie viel Einzelteile ich habe und welches Farbschema ich anstrebe, lackiere ich alle Teile im selben Grundton oder unterscheide nach Farbe welcher Grundton worauf lackiert wird. Für mich am besten haben sich Sprühlacke auf Acryl Basis entpuppt, die ich für die Grundfarben und großen Flächen verwende, es ist natürlich genauso möglich einen ganzen Blaster mit dem Pinsel anzumalen. Ich finde aber das Ergebnis mit Sprühlack einfacher und gleichmäßiger. Das ist aber etwas was jeder für sich selbst ausprobieren muss.

Nach der ersten farblichen Lackschicht klebe ich meistens mit Kreppband und Zeitungspapier gewisse Teile des Blasters ab und lackiere somit einzelne Flächen in verschiedene Farbtönen, um den Blaster interessanter zu machen. Wenn wir nun einen nicht fabrikneuen Blaster bauen wollen, sondern einen ranzigen, alten Endzeitblaster, bietet es sich an vor den übrigen Farbschichten beispielsweise mit Maskierflüssigkeit Kratzer und Lackabplatzer zu markieren.

Es gibt verschiedenste Arten Lackabplatzer und Beschädigungen darzustellen.

Man kann sie zum Beispiel einfach aufmalen. Dazu malt man den Lackabplatzer meistens zuerst in schwarz auf die Fläche, dann mit Silber nach so dass nur ein ganz dünner schwarzer Rand bleibt für einen stärkeren Kontrast und dann je nach Größe noch etwas Rost oder Lackreste vom Decklack in die Mitte. Anleitung

Diese Methode erfordert allerdings ein wenig können.

Einfacher geht es mit Maskierflüssigkeit. Hierbei wird eine Art schnelltrocknendes Gummi auf die Oberfläche aufgetragen, danach überlackiert und nach dem Trocknen wieder runter gepiddelt. So entstehen wirkliche Lackabplatzer die man dann wiederum noch mit Silber, Rost etc. verschönern kann.

Eine weitere Methode ist die sogenannte Haarspray Methode. Zu diesem Verfahren gibt es detaillierte Youtube Videos, deshalb hier nur in Kürze. Zwischen zwei Farbschichten wird eine Zwischenschicht wasserlösliches Haarspray aufgetragen, welche nach dem lackieren wieder teilweise an gelöst wird und somit die obere Deckschicht teilweise zerstört. Diese Methode gibt besonders realistische Effekte, ist aber aus meiner Erfahrung nicht sehr gut mit sprühlack umsetzbar, weil die Farbschicht zu dick wird und man sie kaum noch verletzt bekommt um das Haarspray anzulösen ohne direkt alle Farbschichten vom Blaster zu kratzen. Hier ist es empfehlenswert die Deckschicht über dem Haarspray dünn zu pinseln. Anleitung

Natürlich ist es auch eine gute Variante den Blaster beispielsweise erst großflächig mit Rost oder Abnutzungseffekten zu bemalen und danach mit Maskierflüssigkeit oder Haarspray die nächst Schicht aufzubauen, so spart man sich das anmalen der stellen nach dem aufbrechen des Decklacks und hat direkt einen ordentlichen Alterungseffekt.

Neben diesen Möglichkeiten wären noch das Drybrushen oder auch Trockenbürsten und das sogenannte Inken zu nennen ^^

Beim Trockenbürsten benutzt man möglichst wenig Farbe auf dem Pinsel und streicht nur sehr geringe Mengen Farbe auf die Kanten des Blasters. Der so erzielte Effekt gibt den Kanten z.B. wenn man Silber benutzt einen metallischen Glanz und wirkt wenn gut gemacht, als wären die kannten über die Zeit etwas abgenutzt und das Metall blitzt durch den Lack. Anleitung

Beim Inken benutzt man stark verdünnte Farbe (bei Blastern meistens schwarz und braun) und streicht dies großzügig über den Blaster. Die Farbe sammelt sich in rillen und Vertiefungen und verleiht dem Blaster zusätzliche tiefe und simuliert eine Verschmutzung wie sie entsteht wenn man Flächen zwar oft abwischt, aber nicht bis in die tiefsten ecken putzt.

Zu beiden Techniken gibt es massig gute Tutorials im Forum und bei Youtube.

Wenn wir nach diesem und jenem Schritt endgültig mit unserem Blaster zufrieden sind, kommt die Versieglung.

Versiegeln:

Da es sich bei den Dartblastern in aller Regel um Spielzeug handelt, dass wir benutzen wollen, ist es wichtig die Oberfläche so gut es geht zu schützen. Etwas Schwund und Abrieb ist zwar immer, aber mithilfe von Klarlack lässt sich die Lebensdauer eines Paintjobs in der Regel schon ordentlich verlängern.

Hierbei ist zu beachten, dass der Klarlack mit allen unteren Lack- und Farbsorten kompatibel sein muss, da es sonst im schlechtesten Fall passieren kann dass die lacke sich gegenseitig anlösen, angreifen und beschädigen. Auch das ist einer der Gründe, warum ich mich komplett auf die Montana Serie stütze… Beim Klarlack sei außerdem darauf hingewiesen, dass Glänzender Klarlack eine deutlich höhere Oberflächenspannung hat als matter Lack. Deshalb bietet es sich an grundsätzlich Blaster erst mit glänzendem Lack zu versiegeln und dann je nach optischen Ansprüchen danach mit matten Klarlack das endgültige Aussehen zu definieren.

Ein paar Beispiele für den Bereich Larp:Doubleshots 005 (Large)

Ein paar Beispiele zum nicht Larp bezogenen spielen:Doubleshots 003 (Large)

Zum Abschluss ein paar Worte zur verwendeten Farbe allgemein.

 

Ich benutze an Blastern ausschließlich Acrylfarben. Sowohl Sprühfarbe, Dosen, Tuben oder Stifte, je nach dem was ich habe oder mir praktisch erscheint. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei den verhältnismäßig großen Flächen an Dartblastern egal ist, ob man die teuren Farben aus dem Miniaturenbereich nimmt (bsp. Games Workshop) oder ob man preiswerte „Künstleracrylfarben“ in größeren Gebinden bei Aldi, NanuNana, Idee oder sonst wo kauft. Selbst Abtönfarben aus dem Baumarkt können verwendet werden. Wichtig ist nur, dass die Farben untereinander kompatibel sind und keine unterschiedlichen Lösemittel kombiniert werden, denn das kann zwar gut gehen, kann aber auch dazu führen, dass sich ganze Farbschichten ablösen oder sonst wie komisch reagieren.

Farbe 002 (Large)

Dieser Beitrag wurde unter Nerf, Nerf Optisch abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Optisches Modden von A bis Z – Vom Kauf zum fertigen Blaster

  1. Daniel sagt:

    Es ist vielleicht interessant zu erwähnen das die ursprügnliche Montana Crew sich gespalten hat. Der Ableger heißt MTN und war nach Meinung meines ehemaligen Graffittishops der beste Standart (zeitlicher Stand war ca. 2013), also noch vor Montana und Molotow. Ich hab alle diese drei Marken benutzt und gute Eindrücke bekommen, aber falls du mal was Neues ausprobieren willst, halt die Augen nach MTN offen.

  2. Chris Cross sagt:

    Toller Guide! Da hast du dir viel Mühe gegeben!

    • SirScorp sagt:

      Vielen Dank ^^

      vor allem hab ich ewig gebraucht um den Text dann mal wirklich fertig zu machen….

Kommentare sind geschlossen.